Szenen aus "Die Jüdin von Toledo" und "Judith" @ Schauspielschule Krauss, Vienna [vom 12. bis 14. Januar]

Szenen aus "Die Jüdin von Toledo" und "Judith"


124
12. - 14.
Januar
19:30 - 22:00

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Schauspielschule Krauss
Weihburggasse 9, 1010 Wien
Szenen aus «Die Jüdin von Toledo und Judith“
Fr., 12.1., Sa.13.1 und So. 14.1. 2018, jeweils um 19:30 Uhr

Der Abschlussjahrgang der Schauspielschule Krauss präsentiert Szenen aus Grillparzers Jüdin von Toledo und Hebbels Judith

am Fr., 12.1. 19:30 Uhr „Judith“, im Anschluss „Die Jüdin von Toledo“
am Sa. 13.1. 19:30 Uhr „Die Jüdin von Toledo“, im Anschluss „Judith“
am So. 14.1. 19:30 Uhr „Judith“, im Anschluss „Die Jüdin von Toledo“

im Bühnensaal der Schauspielschule Krauss
Weihburggasse 9, 5. Stock (Lift), 1010 Wien

Eintritt frei (freie Spenden für die Klassenkassa willkommen)
Wegen begrenzter Platzwahl, bitten wir um Reservierung per E-Mail im Sekretariat unter [email protected]

„Die Jüdin von Toledo“ von Franz Grillparzer
mit Ioana-Alexandra Grigorut, Felix Krasser, Tina Kümpel, Magdalena Mair, Sofie Pint, Florian Wischenbart
Leitung: Nicole Metzger

»Eine wunderliche Lustspieltragödie" nannte ein Kritiker der Uraufführung 1873 Franz Grillparzers nachgelassenes Stück «Die Jüdin von Toledo», das die Herausgeber — nicht der Autor! — als «historisches Trauerspiel» tituliert hatten. Tatsächlich weist das Stück, das im 12. Jahrhundert im katholischen Spanien spielt, formal und inhaltlich in die Moderne.
Der jugendliche König Alfons befindet sich im Krieg mit den Arabern. Seine Ehe mit der englischen Eleonore funktioniert mehr schlecht als recht. Da fällt ihm in Toledo eine aufregende, verspielte, selbstbewusste junge Frau, ein «töricht spielend, albern-weises Kind» buchstäblich vor die Füße und er erlebt zum ersten Mal die Urkraft und das Befreiungspotential seiner bisher verschütteten sexuellen Lust. Seine Kriegspflichten vergißt er darüber und so beschließen die Großen seines Reiches, den König zu entmachten und die junge Frau, die sie zuvor als fremdartig-bedrohliche Verführerin, Zauberin und Hexe diffamieren, zu töten. Nach dem Mord besinnt sich Alfons tatsächlich seiner Kriegspflichten, dankt zugunsten von Frau und Sohn ab und zieht in die Schlacht, um dort zu fallen.

„Judith“ von Friedrich Hebbel
mit Simon Brader, Rosanna Ruo, Tanja Prinz, Adrian Stowasser, Anna Zöch
Leitung: Michael Balaun

Tragödie in 5 Akten, Erstaufführung 1840
Hebbel zeigt in seinem Bühnenerstling einerseits die Faszination seiner Zeit für den übermenschlich großen Mann und Führer (und dessen Zerbrechlichkeit) andererseits beteiligt er sich an der zeitgenössischen Diskussion über die gesellschaftliche Rolle der Frau, die seit der Französischen Revolution nicht zur Ruhe gekommen war. Hebbel sieht das psychologische Problem der sich emanzipierenden Frau, aber er sieht es durch die Brille eines sehr rollensicheren Mannes und insofern ist sein Stück, das nicht so glatt ausgeht, wie die biblische Version, wohl auch als Struwwelpeter für Emanzen zu lesen: „Das Weib muß nach der Herrschaft über den Mann streben, weil sie fühlt, daß die Natur sie bestimmt hat, ihm unterwürfig zu seyn.“ (Tagebücher 4:5648). Wie auch immer — Hebbel hat die Figur der Judith für die Moderne entdeckt, indem er ihr ein kompliziertes psychisches Innenleben und die Sprache gab, dieses differenziert auszubreiten. So werden wir Zeugen des tragischen Konfliktes zwischen ihrem privaten unwiderstehlich aufschießenden Begehren und ihrer selbstgewählten todbringenden Mission. Das Stück wurde zwei Generationen lang häufig aufgeführt und löste eine Flut von Bearbeitungen des Stoffes in Dichtung, Malerei, Bildhauerei und Wissenschaft (Weininger, Freud) aus. Judith hat (wie Hamlet) die Begabung, ihre jeweilige Gegenwart in sich aufzunehmen und gleichzeitig zu spiegeln; dies erweist sich immer wieder aufs Neue, selbst wenn aktuell Judith zu den selten aufgeführten Dramen gehört.
Für unsere schulischen Zwecke waren nicht so sehr die inhaltlichen Aspekte des Textes entscheidend, sondern die zahlreichen quasi monologischen Abschnitte, die den Spielern ein hohes Maß an Beherrschung ihrer Technik abverlangen, sei es, was das Sprechen der sehr langen Gedankenbögen, die „Verkörperung“ ihrer Figuren oder die (insbesondere bei der Titelfigur) extreme Emotionalität unterhalb des Textes betrifft. Jeder Studierende hat nicht nur die Aufgabe, eine der beiden Hauptfiguren zu bewältigen, sondern auch einzelne der stichwortgebenden Chargenfiguren, bei denen für ein paar kurze Sätze ein deutlich erkennbarer Prototyp zu erschaffen ist.

Plakat: Michael Balaun
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