Jüdische Anwesenheit/Abwesenheit im städtischen Raum @ Polnische Akademie der Wissenschaften - Wien/Polska Akademia Nauk - Wiedeń, Vienna [12. Dezember]

Jüdische Anwesenheit/Abwesenheit im städtischen Raum


61
12.
Dezember
18:30 - 20:30

 Facebook-Veranstaltungen
Polnische Akademie der Wissenschaften - Wien/Polska Akademia Nauk - Wiedeń
Boerhaavegasse 25, 1030 Wien
Rekonstruktion, Ruine, Leere. Jüdische Anwesenheit/Abwesenheit im städtischen Raum — am Beispiel von drei Synagogen: in Berlin, Lemberg und in Warschau

Dr. Alina Molisak (Universität Warschau)

In dem Vortrag werde ich verschiedene Formen der jüdischen Anwesenheit/Abwesenheit in den gegenwärtigen städtischen Räumen miteinander vergleichen. Dafür habe ich drei Synagogen ausgewählt. Jede von ihnen war in den Zeiten vor dem Holocaust ein sichtbares Zeichen der Anwesenheit jüdischer Einwohner Berlins, Warschaus und Lembergs. Alle drei wurden infolge der Kriegsereignisse zerstört – In Lemberg wurde die Goldene-Rosen-Synagoge von den deutschen Besatzern (unmittelbar nach dem Einzug in die Stadt) in Brand gesetzt. 1942 wurde das Gebäude gesprengt, so dass nur Ruinen übrigblieben. Die Große Synagoge von Warschau an der Tłomackie-Straße wurde nach der blutigen Niederschlagung des Aufstands im Warschauer Ghetto völlig zerstört. Am 16. Mai 1943 hat Jürgen Stroop die Sprengung persönlich ausgeführt. Die Synagoge in der Oranienburgerstrasse in Berlin wurde zuerst durch einen Brand (1938 — während der Kristallnacht) und später durch die britischen Luftangriffe (1943) devastiert. Nach dem Krieg wurde das ruinierte Gebäude schließlich im Jahre 1958 „aus Sicherheitsgründen” vollständig abgerissen (die Synagoge befand sich auf dem Gebiet Ostberlins).
Jeder dieser drei Orte hat aktuell einen Status, der sich von den anderen wesentlich unterscheidet. Während des Vortrags möchte ich die Unterschiede schildern, über verschiedene Formen erzählen, die jüdische Abwesenheit/Anwesenheit zu behandeln, über Methoden, die Vergangenheit zu bewältigen und die Strategien der sog. historischen Politik, sowohl in den Zeiten des realen Sozialismus als auch gegenwärtig.
Die Berliner Synagoge wurde nach vielen Jahren wiederaufgebaut. Der allmähliche Prozess des Wiederaufbaus begann gegen Ende der 80er Jahre dank der Entstehung der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum. Die herrliche goldene Kuppel und die Frontwand wurden originalgetreu rekonstruiert. In dem gegenwärtigen Bild der deutschen Hauptstadt ist die Synagoge ein deutlich sichtbares symbolisches Zeichen der jüdischen Anwesenheit – sie erfüllt eine wesentliche Funktion in der Narration über die Vergangenheit und die Gegenwart.
Das älteste der Bauwerke, die Goldene-Rosen-Synagoge, die nach der Brandstiftung im Krieg als Ruine erhalten wurde, geriet in Vergessenheit, so dass nur wenige Besucher in Lemberg von ihr gewusst haben. Die Einstellung zu dem Ort änderte sich nach der Errichtung der unabhängigen Ukraine. Anfangs waren es lediglich kleine Änderungen, die eher für die Touristen bestimmt waren (in der Nähe funktionierte eine Gastwirtschaft), ab 2007 kann man jedoch viele Bemühungen beobachten, die nach einer Wiederherstellung der symbolischen Anwesenheit dieses Ortes streben (es sind u.a. die Bemühungen der jüdischen Gemeinde, archäologische Arbeiten, ein Wettbewerb über einen Raumordnungsplan für den Platz, wo die Synagoge stand, und ein Projekt des Denkmals der Lemberger Juden, der durch den Stadtrat 2010 bekanntgegeben wurde.)
In Nachkriegswarschau wurden große Teile der Stadt, insbesondere auf dem Gebiet des ehemaligen jüdischen Stadtviertels, sehr stark verändert. Auf dem Platz, wo früher die Synagoge an der Tłomackie-Straße stand, wurden seit den 50er Jahren in der Zeit der VR Polen jahrelange Bauarbeiten realisiert, bis schließlich im Jahre 1991 das sog. Himmelblaue Hochhaus errichtet wurde. Der Platz der ehemaligen Synagoge ist eigentlich leer geworden. Nur ab und zu wird die Existenz der Synagoge mit Hilfe temporärer künstlerischer Installationen in Erinnerung gebracht.

Nach der Vernichtung der Großen Synagoge sagte Stroop:
„Als schönen Schlussakkord der Großaktion hatte ich die Sprengung der Großen Synagoge in der Tłomackie-Straße vorgesehen. Die Vorbereitungen nahmen zehn Tage in Anspruch. Die Synagoge war sehr solide gebaut. Um sie mit einem Schlag in die Luft zu sprengen, musste eine Reihe solider Pionier- und Elektrikerarbeiten durchgeführt werden. War das ein herrlicher Anblick! Ein fantastisches Panorama für jeden Maler oder Theaterregisseur! Der Kommandeur der Pionierarbeit ließ mir den elektrischen Apparat übergeben, mit dessen Hilfe die gleichzeitige Detonation aller Sprengladungen in den Mauern der Synagoge ausgelöst werden konnte. Ich zögerte den spannenden Augenblick noch etwas hinaus. Schließlich rief ich: Heil Hitler! und drückte auf dem Knopf. Die ungeheure Explosion riss die Flammen bis zu den Wolken. Ein durchdringender Knall folgte, die Farben waren geradezu märchenhaft. Eine unvergessliche Allegorie des Triumphes über das Judentum! Das Warschauer Ghetto hatte aufgehört zu existieren. Denn so hatten es Adolf Hitler und Heinrich Himmler gewollt!“
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